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Historisches Lütjenburg

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Am Amakermarkt ging die Post ab

Am Amakermarkt ging die Post ab

Quelle: hein's magazin Ausgabe Februar 2011
© Stadt Lütjenburg
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Foto 1 von rechts hinten: Bäckerhaus Lorenz mit Milchgeschäft Frau Schlüter, Scheune
Foto 2: Hinterhof Am Amakermarkt

Wenn die Postkutsche früher vom Alten Posthof losbrauste, dann ging es zunächst auf Kopfsteinpflaster bergauf den Amakermarkt hoch, denn die Posthofstraße gab es früher noch nicht. Dann lenkte der Kutscher die Pferde entweder direkt am heutigen Rathaus vorbei in Richtung Oldenburg oder bis zum Bäckerhaus „Lorenz“ hinauf, dann um die Ecke und die heutige Ober- und Hindenburgstraße hinunter in Richtung Plön.
Doch wir meinen hier jetzt etwas ganz anderes. In den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts war am Amakermarkt oft „der Teufel los“, denn hier lebten damals in dieser Straße ca. 60 Kinder. Wie sich eine Altlütjenburgerin erinnert, wohnten auf der Westseite des Amakermarktes die Familien Lorenz (Bäckerei) Ecke Oberstraße / Amakermarkt (4 Kinder), im Haus „Pinesberg“ die Familie Bahr mit 12 Kindern, ferner Max und Hedwig Maaß mit 10 Kindern, die Familie Hörnlein mit 8 Kindern, die Familie Rönfeldt im Haus Amakermarkt 18 mit 6 Kinder. Hinzu kam der Nachwuchs der Familien Giese, Witt, Fischer, Hering, Lucca-Ratje, Carstens und Schöning.
Dass sich hier Jugendbanden bildeten, die nichts als Unsinn im Kopf hatten – z.B. die Bullen im benachbarten D. H. Boll-Stall zu ärgern, ist nicht weiter verwunderlich. Die Familie unserer Zeitzeugin zog im Jahre 1930 in das alte Haus Amakermarkt 10. Hier wurde Melitta im Jahre 1937 geboren und wuchs dort mit 7 Geschwistern auf. In Hinterhof lag die Werkstatt des Vaters Otto Hörnlein; er war Klempnermeister. Als die Familie 1950 in die Plöner Straße umzog, übernahm der Heimatvertriebene Emil Schulz aus Pommern die Werkstatt und betrieb dort eine Bürstenbinderei. Deshalb wurde er im Volksmund nur „Bürsten-, Besen-, Pinsel-Emil“ genannt. Das war praktisch, denn“ Schulzens“ gab es in Lütjenburg genug. Seine Produkte wurden von Paul Schuldt vertrieben, der mit einem Koffer als „Mitfahrer“ in einem Postauto über die Dörfer fuhr, weil er kriegsversehrt war. Emil Schulz muss ein richtiges Original gewesen sein, denn er konnte wunderbar schauspielern und hatte oft tragende Charakterrollen bei Bühnenstücken der hiesigen Laienspielgruppe. Da er keine Probleme hatte, offen auf andere Menschen zuzugehen, war er prädestiniert dafür, die Ortsgruppe der Pommerschen Landsmannschaft im Jahre 1955 zu gründen. Schon nach kurzer Zeit besaß dieser Verband in Lütjenburg 155 Mitglieder.
Damals sah am Amakermarkt vieles anders aus. Im Gelände, wo heute die Katholische Kirche St. Bonifatius steht, standen damals eine Scheune, zwei Wohnhäuser und eine Werkstatt. Gegenüber dem Rathaus, wo sich heute die Häuserzeile mit der Buchhandlung am Rathaus befindet, waren früher die landwirtschaftlichen Gebäude von D: H: Boll mit Kuhställen und Scheunen. Daneben hatte Schuster Witt seine Werkstatt. Dieses Wittsche Haus musste dem Bau der Markttwiete weichen, denn man wollte hier eine Verbindung zum Marktplatz schaffen.
Und an der Ecke Amakermarkt / Oberstraße wo heute das Gebäude mit der Polizeistation steht, war früher die Schlachterei Albert Brandt. Und an der Ecke gegenüber? Im Bäckerhaus Lorenz wohnten damals nicht nur die 4 Kinder von Otto Lorenz senior. Dort war auch das Milchgeschäft von Frau Schlüter. Sie heiratete später Herrn Krüger, der heute im Haus Neverstorfer Straße 18 wohnt, dem früheren Wohnhaus des Kapitäns zur See Hermann Witt. Wo so viele Kinder und Erwachsene auf engstem Raum zusammenlebten, ist viel passiert.

Verantwortlich für den Inhalt: Arbeitskreis Stadtarchiv Lütjenburg Wer weitere Hinweise geben oder Fotobelege beisteuern kann, melde sich bitte im Stadtarchiv (Dr. Sigurd Zillmann, Tel. 04381/7319)

Teichtorstraße Nr. 1 – ein Haus mit wechselhafter Geschichte

Teichtorstraße Nr. 1 – ein Haus mit wechselhafter Geschicht

Quelle: hein's magazin Ausgabe März 2011
© Stadt Lütjenburg
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Bild 1: "Wurstfabrik mit Dampfbetrieb" sowie "Schlachterei - en gros - en detail" - Die Chefs mit Angestellten
Bild 2: Schlachter Wilhelm Schellhorn mit Gattin

In der Teichtorstraße 1 hatte Wilhelm Schellhorn seine Schlachterei. Die Schellhorns waren aus der Probstei zugewandert; 1907 war diese Fleischerfamilie mit 4 Viehhändlern und zwei Wurstfabrikanten in Lütjenburg vertreten. Ein altes Foto trägt die Inschrift über dem Schaufenster des Ladengeschäftes: „Wurstfabrik mit Dampfbetrieb“ sowie „Schlachterei- en gros – en detail: Wilhelm Schellhorn“. Wie sich Otto Bötel, der seit dem ersten Mai 1935 in der Schlachterei Schellhorn angestellt war, erinnert, arbeitete der Chef in der Regel hinter dem Laden im Büro. Für ihn war es die schönste Beschäftigung, bei gutem Wetter mit dem Kutschwagen durch die Felder zu fahren.
Friedrich Horstmann hatte 1927 seine Lehre als Schlachter bei Schlachtermeister Wilhelm Schellhorn begonnen, 1936 seine Meisterprüfung abgelegt und wenige Wochen später die Schlachterei von Karl Schaeffer in der Neuwerkstraße 9 gekauft.
Wohl im Jahre 1946 kam Hans Rebe, Flüchtling aus Ostpreußen von der Insel Hela, nach Lütjenburg und übernahm kurzfristig die Schlachterei Schellhorn. Danach ging die Schlachterei an Schlachtermeister Hugo Engel, der das Fleischerhandwerk in der Neuwerkstraße bei Karl Schaeffer erlernt hatte. Seine Witwe lebt noch heute in der Neuwerkstraße. In den 60er Jahren erwarb dann Friedrich Horstmann unter dem Motto „Ich kaufe meine Lehrfirma“ das Fachgeschäft in der Teichtorstraße 1. Sein Plan, eine marktnahe Imbissstube einzurichten, wurde verwirklicht. Er baute den rechten Teil des Gebäudes zum „Lüttenborger Slachter“ aus und erschloss das obere Stockwerk mit zwei Gasträumen durch eine längere Treppe. Bis circa Mitte der 80er Jahre florierte der Laden; im nach hinten gelegenen Raum fanden oft Vorstandssitzungen und andere kleinere Veranstaltungen statt.
Nach dem Tod von „Fidde Horstmann“ (am 1. Oktober 1987), wie er in Lütjenburg nur genannt wurde, führte sein Sohn Karl Horstmann, der ebenfalls das Schlachterhandwerk erlernt hatte, die Gastronomie weiter. Nach seinem Weggang kam es erstmals zu einer Nutzungsänderung. Aus dem vormaligen Schlachterladen wurde das Eiscafe „Zum Stadtteich“. Da es aber gegen diesen Geschäftsnamen Widerspruch gab, wurde es umbenannt in „Celestina“. Das war der Vorname der Italienerin Celestina Scholz, die hierher geheiratet hatte, dann aber nach kurzer Zeit (1985/86) nach Selent ging, um dort eine Eisdiele zu eröffnen. Die Geschäftsräume gingen über an Gerd Gilly, der dort unter dem Namen „Gilly“ ein Reisebüro eröffnete.
Durch den Tod von Karl Horstmann kam es dann circa im Jahr 1990 zu einem erneuten Eigentümerwechsel. Das Haus Teichtorstraße 1 wurde von Sönke Sauerberg käuflich erworben. Mit der Umbenennung „Kartoffelhaus“ in „Alt Lütjenburg“ übernahm der gelernte Gastronom Jan Engelhardt den Gaststättenbetrieb. Doch auch ihn hielt es nicht lange in Lütjenburg. Vom „Landhaus“ in Pülsen wechselte er in die „Marienquelle“ nach Kirchnüchel und ist heute Gastwirt im Golfclub Hohwacht. In der Teichtorstraße 1 übernahm nun Mr. Lee, deutscher Staatsbürger koreanischer Herkunft, das „Koreahaus“, das sich aber auch nicht halten konnte. So war es eine zeitlang um diese Immobilie still geworden; seit 2003 herrschte dort Leerstand. Nebenan im ehemaligen Fleischereigeschäft war Ende 2001 das Reisebüro Gilly ausgezogen. Seitdem ist dort das Fotofachgeschäft von Josef Grunenberg untergebracht, der seinen Laden vorher an der Ecke Kurze Twiete/Neuwerkstraße hatte.

Verantwortlich für den Inhalt: Arbeitskreis Stadtarchiv Lütjenburg Wer weitere Hinweise geben oder Fotobelege beisteuern kann, melde sich bitte im Stadtarchiv (Dr. Sigurd Zillmann, Tel. 04381/7319)

Polizei am Markt - Die Anfänge der Polizei in Lütjenburg nach 1945

Polizei am Markt - Die Anfänge der Polizei in Lütjenburg nach 1945

Quelle: hein's magazin Ausgabe April 2011
© Stadt Lütjenburg
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Bild 1: Bereitschaftspolizei Abt. Lütjenburg
Bild 2: Wochenmarkt in der Nachkriegszeit

Auf dem Grundstück der heutigen VR-Bank – Markt Nr. 8 – stand früher ein repräsentatives Bürgerhaus mit ausgebautem Obergeschoß und einem Knüppelwalmdach. Eigentümerin war Wilhelmine Schellhorn, bekannt unter dem Rufnamen „Tante Mine“.  Ihr Mann war im Ersten Weltkrieg gefallen. Da das Haus bis hinauf zum Schornstein mit Wein bewachsen war, war es in der „herrschaftlichen Villa“ immer recht dunkel. Zum Grundstück gehörten zwei Scheunen, die bis hinunter zur Neuwerkstraße reichten. Zur Teichtor- wie zur Neuwerkstraße war das Anwesen mit einer hohen Mauer umgeben.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bezogen englische Besatzungsoffiziere im Nachbarhaus, dem „Central – Hotel“ (heute Sporthaus), Quartier und nutzten die Räume im oberen Stockwerk des Schellhornschen Hauses für die Meldestelle des „Secret Service“. Daneben wohnte auch weiterhin Wilhelmine Schellhorn.
In das Untergeschoß zogen Feldjäger ein, die in Lütjenburg nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches am 8. Mai 1945 für Ruhe und Ordnung sorgen sollten. Diese Einheit der Militärpolizei gehörte zum „Wehrmacht – Ordnungsdienst“, die das „Sperrgebiet F“ (den so genannten „Kral“) auf Weisung der britischen Besatzungsmacht an den Außengrenzen bewachen sollte. Diese Truppe, die aus acht deutschen Soldaten in Uniform mit Gewehr und Munition bestand, wurde befehligt von Oberleutnant Albert Kusche, der als Sozialdemokrat später viele Jahre als Bürgervorsteher und Stadtrat ehrenamtlich tätig war. Nach Abzug des  britischen Stadtkommandanten und nach Auflösung der Korpsgruppe von Stockhausen in Weißenhaus im Februar 1946 wurde der „Wehrmacht – Ordnungsdienst“ nicht mehr benötigt, und es kam zu einer Neuordnung des Polizeiwesens in Lütjenburg.
Bis 1945 gab es einen Gendarmerieposten in der Plöner Straße; es waren die Landjäger Arthur Stabenow und Schilde. Daneben gab es den Stadtpolizisten Karl Hinze, der seine „Amtsstube“ im Rathaus hatte; die Amtsbezeichnung lautete Ortspolizeibehörde. Die Bürger der Stadt konnten die Landesbeamten und die Kommunalbeamten gut unterscheiden. Während der Landjäger Stabenow als Landesbeamter die grüne Uniform trug, war der städtische Polizist blau gekleidet.
Beide Polizeistellen wurden von der britischen Militärverwaltung aufgelöst. Es kam zur Einrichtung einer neuen Polizeistation im Schellhornschen Haus Markt Nr. 8, dem großen Eckhaus Markt / Teichtorstraße. Leiter des Polizeipostens war zunächst Arthur Stabenow, der jedoch schon 1946 pensioniert wurde. Sein Nachfolger war Otto Sadewasser. Wie „verwunschen romantisch“ das Schellhornsche Haus noch 1946 aussah, hat der Kunstmaler Maeder damals festgehalten. Er war nach Ende des Zweiten Weltkrieges als Heimatvertriebener nach Lütjenburg gekommen und hat das Polizeigebäude am Markt gemalt. Als einzige Verkehrsmittel sind zwei Pferdekutschen zu sehen. Bald danach muß es eine gründliche „Fassadenreinigung“ gegeben haben, denn wir besitzen ein Farbfoto vom Wochenmarkt in der ersten Nachkriegszeit, auf dem das Backsteinhaus ohne Weinlaub und mit Polizeischild abgebildet ist.
Ende der 50ger Jahre zog die Polizei für zwei Jahre in ein Hinterhaus des Hotels „Stadt Hamburg“ in der Niederstraße und anschließend in ein Nebengebäude des Rathauses. Im Jahre 1957 verkaufte Wilhelmine Schellhorn Haus und Grundstück Markt Nr. 8 an die Raiffeisenbank. So kam es zu einem völligen Abriß und der Errichtung eines zeitgemäßen Neubaus, der sich gut in das dortige Stadtbild einfügte. Bevor die Raiffeisenbank alle Räume für eigene Zwecke benötigte, waren in dem weitläufigen Gebäude noch Geschäfte, Arztpraxen, Wohnungen und sogar die erste Diskothek der Stadt Lütjenburg untergebracht. Pächter des „Clubs 69“ waren Klaus – Dieter Dehn und Volkmar Zschutschke.
Nach dem plötzlichen Tod des Polizeiinspektors Otto Sadewasser begann am 1. Oktober 1960 bei der Polizeiabteilung Lütjenburg die „Ära Knuth“, die am 31. März 1970 mit seiner Versetzung in den Ruhestand endete. Zum „Stammpersonal“ gehörten bei diesem Führungswechsel: Polizeiobermeister Paul Windschall (Postenleiter), Polizeimeister Alfred Vogel (Hunde- und Kradführer) sowie die Polizeihauptwachmeister Heinz Neumann, Georg Kattner, Martin Knop und Ernst Grimm.

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